Golferarm (Mediale Epicondylitis)

In diesem Artikel behandle ich die wesentlichen Punkte, die für eine effektive Behandlung des Golferarms notwendig sind. Zunächst beschreibe ich was ein Golferarm ist, wie man feststellt ob ein Golferarm vorliegt, welche Risikofaktoren für einen Golferarm vorliegen und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.

Alle gemachten Angaben sind penibel recherchiert und soweit wie möglich durch wissenschaftliche Studien belegt. Leider ist die Forschung im Bereich des Golferarms wenig ausgeprägt. Es gibt kaum Studien, die den Golferarm gezielt untersuchen. Da die Ursache und Entstehung des Golferarms ähnlich der des Tennisarms sind verwende ich die Studien zum Thema Tennisarm und meine klinische Erfahrung, um Behandlungsempfehlungen abzuleiten.

Was ist ein Golferarm?

Ein Golferarm (auch Golfarm, Golferellenbogen) ist ähnlich wie der Begriff des Tennisarms  ein unpräziser Begriff. Viele Patienten spielen überhaupt kein Golf und haben dennoch einen “Golferarm”. Der Golferarm könnte deshalb auch “Gewichtheberarm”, “Werferarm” oder “Handwerkerarm” heißen. Deswegen wird der Golferarm in der Medizin häufig auch als mediale Epikondylitis bezeichnet. Dieser Begriff ist genauer, da er bezeichnet wo das Problem sitzt und was genau das Problem ausmacht. Schlüsseln wir den Begriff auf, dann ergibt sich folgendes:

  • medial = zur Körpermitte hin orientiert
  • Epikondylus = Knochenvorsprung am Oberarm (siehe Bild)
  • Silbe -itis = Entzündung

Das bedeutet, dass ein Golferarm (mediale Epikondylitis) eine Entzündung der gemeinsamen Beugersehne 1 am medialen Epikondylus ist.

 

 

Skelettarm zur Veranschaulichung der Anatomie des Golferarm

 

 


 

 

 

Jedoch zeigt sich, dass bei einer medialen Epikondylitis keine Entzündung festgestellt werden kann. 2 Die Wissenschaft fand heraus, dass es sich um eine Epikondylose 3 handelte, d.h. eine nicht-entzündliche, degenerative Veränderung im Bereich der Ursprungssehne der Unterarmbeugemuskulatur. Man fand im Bereich der Beugersehne ungeordnete, zerstörte und degenerierte Kollagenfasern. Ähnlich wie bei der Begriffsbestimmung beim Tennisarm ist jedoch auch der Begriff Epikondylose nicht hundertprozentig korrekt, da nur schwer eine Verbindung zwischen der Schmerzsymptomatik und den dazugehörigen klinischen Beschwerden hergestellt werden kann. 

Die momentan beste Definition für einen Golferarm ist:

Epikondyalgie medialis humeri ist die schmerzhafte Veränderung im
Bereich der gemeinsamen Ursprungssehne der Unterarmbeuger.“

Dabei ist es wichtig zu wissen, dass ein Golfarm in der Praxis 4  keine entzündliche Erkrankung ist.

Das bedeutet, dass eine entzündungshemmende Behandlung (Eis, Kortison, bestimmte Schmerzmittel) wenig bis keinen Sinn macht, da der Golfarm keine Entzündung als Grundlage hat! 

Vielmehr ist es bei der Behandlung des Golferarms wichtig, die Zerstörung (Degeneration) der Sehne zu behandeln. 5 Das erfolgt am besten über eine Stimulation der Sehne durch spezifische Übungen.

Ursache

Ein Golfarm entsteht meist im mittleren Alter (ab 45 Jahre) und wird durch mechanische Überbelastung ausgelöst. Diese Überbelastung entsteht durch ein Zuviel an Bewegungen, wie z.B.:

  • Beugen und Strecken des Unterarms,
  • Dreh- und Schraubbewegungen,
  • Greifen und
  • Handgelenks- und Fingerbeugung.

Die Sehne hat keine Chance sich an die Belastung anzupassen und beginnt abzubauen. Wird die Überbelastung nicht rechtzeitig eingestellt hat der Körper keine Chance sich zu regenerieren und es kommt zu einem Golferarm.

Bestimmte Stoffwechselerkrankungen (Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörungen) können die Entstehung einer Sehnenerkrankung fördern, da der Stoffwechsel der Sehnen sich negativ verändert.

Mechanische Überbelastungen sind jedoch der Hauptgrund für die Entstehung eines Golferarms!

 

Habe ich einen Golferarm?

Die Diagnose eines Golferarms wird meist ohne technische Hilfsmittel gestellt. Dabei werden folgende Punkte als ausschlaggebend für die Diagnose gesehen:

  • Druckschmerzhaftigkeit am medialen Epikondylus,
  • Schmerzen am medialen Epikondylus,
  • Schmerzen bei der Beugung des Handgelenks gegen Widerstand, wenn der  Ellenbogen gestreckt ist,
  • Schmerzen am medialen Epikondylus bei Aktivitäten an mindestens 4 von 7 Tagen 6 und
  • Schmerzen bei Pronation (Drehbewegung des Ellenbogens). 7

 

Jedoch möchte ich hier festhalten, dass eine Diagnose nur von einem  Arzt zu stellen ist!! Das ist deshalb wichtig, da es viele andere mögliche Diagnosen gibt, die in Betracht kommen können, wie z.B.:

Diese Liste macht deutlich, dass eine falsche Diagnosestellung zu falscher Behandlung und weiteren Problemen führen kann. Deshalb möchte ich jedem raten eine Diagnose von einem qualifizierten Arzt gestellt zu bekommen. Nur dann kann man sicher sein, welche Therapie richtig ist.

 

Welche Risikofaktoren für einen Golferarm gibt es?

Das Wissen um die Risikofaktoren für die Entstehung eines Golferarms hilft bei bei der Prävention und natürlich auch bei der Behandlung. Der Golfarm ist deutlich seltener als der Tennisarm. Der Tennisarm kommt bis zu zehnmal häufiger vor als der Golferarm. Der Golferarm kommt dabei zwischen dem vierzigsten und sechszigsten Lebensjahr auf und ist häufig berufsbedingt. Er kommt zwischen 0,3 und 1,1 % vor, bei Frauen geringfügig häufiger. 9

Für einen Golferarm wurden folgende Risikofaktoren identifiziert:

  • Wiederholtes Beugen und Strecken des Unterarms, 10
  • Tätigkeiten, die viel Kraft erfordern,
  • Tätigkeiten, die viel Kraft und eine
    hohe Wiederholungsanzahl an
    Bewegungen erfordern,
  • Ungünstige Körperhaltung,
  • Ungünstige Positionen des Körpers. 11

Für das Management eines Golferarms gilt es, diese Risikobewegungen zu reduzieren bzw. ganz zu vermeiden. In einem Auszug aus meinem Buch Behandle Deinen Tennisarm Selber zeige ich, wie man mit Hilfe der identifizierten Risikofaktoren seinen Arm/Sehnenapparat entlasten kann, um so eine bessere Heilungschance zu haben. Da die Riskofaktoren für einen Tennisarm und einen Golfarm fast identisch sind, kann man ohne Probleme die Vorgehensweise übertragen.

 

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es für einen Golferarm?

Bevor wir die möglichen Behandlungsmöglichkeiten eines Golfarms besprechen empfehle ich eine kurze Evaluation ihres Zustands bzgl. des Ellenbogen. Das kann beispielsweise mit dem DASH (Disabilities of the Arm, Shoulder and Hand) gemacht werden. So haben Sie einen Ausgangswert  mit dem Sie die Effektivität Ihrer Behandlung überprüfen können. Das ist wichtig, um zu wissen,ob die Behandlung wirkt. Ein Test wie der DASH helfen, die Motivation zu erhöhen und weiter zu üben!

 

 

Leider ist die Behandlung des Golferarm im Gegensatz zum Tennisarm nur unzureichend erforscht. Es gibt nur sehr wenige Studien, die Behandlungstechniken untersuchen. Deshalb kann ich auch keine definitive Aussagen machen, wie ich sie in meinem Buch zum Thema Tennisarm machen kann. Ich verlasse mich in diesem Fall auf meine klinische Erfahrung und auf die vorliegenden Studien zum Tennisarm. Da die beiden Erkrankungen sich ähneln, ist meines Erachtens eine Übertragung der Studienergebnisse gerechtfertigt. Im Folgenden gehe ich auf die am häufigsten angewandten Therapien ein.

 

Krafttraining

Krafttraining stellt, wie für viele andere orthopädische Probleme, die wichtigste Stütze einer effektiven Behandlung des Golferarms dar. Wie in meinem Artikel zum Thema Tennisarm und exzentrisches Krafttraining beschrieben, kann exzentrisches Training bei Tennisarm-Beschwerden helfen. Zum Thema Golfarm und exzentrisches Krafttraining konnte ich leider nur eine Studie 12 ausfindig machen. Dabei werden gute Ergebnisse mit exzentrischen Übungen erzielt. Allerdings ist diese Studie qualitativ minderwertig. 13 Da exzentrisches Krafttraining sich bei einem Tennisarm bewährt hat, kann ich es guten Gewissens auch für einen Golferarm empfehlen.

Jedoch muss die Übungsauswahl modifiziert werden, da andere Muskeln 14  trainiert werden müssen. Die Trainingssteuerung aus dem oben genannten Artikel gebe ich hier nochmals wieder:

“Vorab möchte ich einige wichtige Ausführungshinweise für diese Übung geben:

  1. Besprechen Sie vor dem Beginn eines Therapieprogramms mit ihrem Arzt, ob Sie diese Übung ausführen dürfen und sollen.
  2. Sie brauchen eine Hantel für die Ausführung der Übung.
  3. Wählen Sie ein Gewicht der Hantel, dass ihnen eine schmerzfreie Ausführung der Übung ermöglicht. Leichte Schmerzen sind bei der Übungsausführung in Ordnung. Wird der Schmerz zu groß, dann sollte die Übung nicht fortgesetzt werden!!
  4. Die Übung sollte für 10-15 Wiederholung durchgeführt werden. Danach machen Sie eine Minute Pause und wiederholen die Übung noch zwei weitere Male.
  5. Für gute Resultate führen Sie die Übung für 6-12 Wochen täglich aus. Achten Sie darauf, die Trainingsgewichte im Zeitablauf langsam zu steigern. Nur dadurch bekommt Muskel und Sehne einen Anreiz zu heilen.”

 

Dazu empfehle ich folgende Übungen:

 

Handgelenksbeugung

  1. Setzen Sie sich auf einen Stuhl.
  2. Legen Sie den rechten Arm auf Ihren rechten Oberschenkel. Halten Sie die Hantel in der rechten Hand, so dass die Handinnenfläche nach oben zeigt. Das Handgelenk ist gerade.
  3. Senken Sie die Hantel aus dem Handgelenk heraus ab.
  4. Helfen Sie mit der linken Hand die  Hantel wieder in die Ausgangsposition zu heben. Die rechte Hand hilft nicht mit.
  5. Lassen Sie die linke Hand los. Senken Sie Hantel wieder ab.
  6. Wiederholen Sie den Prozess bis Sie die gewünschte Anzahl an Wiederholungen haben.
  7. Die Übung kann nicht nur durch mehr Gewicht gesteigert werden, sondern auch dadurch, dass  der rechte Arm weiter ausgestreckt wird. Die Belastung auf die Sehne steigt so an.

Übung der Handgelenksbeugung zur Therapie bei einem Golferarm Ausgangsposition

 

 

 

 

 

Übung der Handgelenksbeugung zur Therapie bei einem Golferarm Endposition

 

 

 

 

 

 

Übung der Handgelenksbeugung zur Therapie bei einem Golferarm Hilfe mit der anderen Hand um in die Ausgangsposition zu kommen

 

 

 

 

 

 

 

Pronation

  1. Setzen Sie sich auf einen Stuhl. Nehmen Sie möglichst eine Hantel bei der nur der obere Teil ein Gewicht hat. Andere Möglichkeiten sind ein Hammer, Baseballschläger oder Besenstiel.
  2. Legen Sie den rechten Arm auf Ihren rechten Oberschenkel. Halten Sie die Hantel in der rechten Hand, so dass das Gewicht der Hantel nach oben zeigt.
  3. Senken Sie die Hantel in einer Drehbewegung aus dem Ellenbogen heraus nach rechts ab.
  4. Helfen Sie mit der linken Hand die Hantel wieder in die Ausgangsposition zu heben. Die rechte Hand hilft nicht mit.
  5. Lassen Sie die linke Hand los. Senken Sie Hantel wieder in einer Drehbewegung ab.
  6. Wiederholen Sie den Prozess bis Sie die gewünschte Anzahl an Wiederholungen haben.
  7. Die Übung kann nicht nur durch mehr Gewicht gesteigert werden, sondern auch dadurch, dass der rechte Arm weiter ausgestreckt wird. Die Belastung auf die Sehne steigt so an.

Übung der Pronation zur Behandlung eines Golferarm Ausgangsposition

 

 

 

 

 

 

 

 

Übung der Pronation zur Behandlung eines Golferarm Endposition

 

 

 

 

 

 

 

Übung der Pronation zur Behandlung eines Golferarm mit Hilfe der anderen Hand wird die Ausgangsposition erreicht

 

 

 

 

 

 

 

Stretching

Dehnungsübungen werden bei der Behandlung des Golferarms häufig empfohlen. 15 Jedoch gibt es keine Studien, die eine Behandlung mit Stretching untersuchen. Selbst beim besser untersuchten Tennisarm gibt es nur wenige Studien, die eine Anwendung von Dehnungsübungen überprüft haben.

Stretching ist wenig zeitaufwendig und hat einen Nutzen bei der Behandlung des Tennisarms. Deshalb empfehle ich Stretching auch zur Behandlung beim Golfarm.

Folgende Übung eignet sich gut für die Behandlung eines Golferarms:

 

Stretching-Übung bei einem Golferarm

Die Übung soll zweimal am Tag für jeweils drei Wiederholungen durchgeführt werden. Zwischen der Dehnung machen sie 30 Sekunden Pause. Führen Sie die Übung folgendermaßen aus:

  1. Stellen Sie sich aufrecht hin.
  2. Strecken Sie den rechten Arm nach vorne aus.
  3. Nehmen Sie den linken Arm und beugen Sie die rechten Finger und  das rechte Handgelenk in Richtung Ellenbogen.
  4. Es soll ein leichtes Ziehen zu spüren sein, aber kein (heftiger) Schmerz! Halten Sie die Dehnung solange bis sie bemerken, dass die Dehnung nachlässt. Verstärken Sie dann die Dehnung nochmals. Dieser Prozess wird solange wiederholt bis keine weiteren Verbesserung des Bewegungsausmaßes sich einstellt.

Ausgangsposition zur Dehnung des Golferarm

 

 

 

 

 

Endposition zur Dehnung des Golferarm ; Handgelenk gestreckt

 

 

 

 

 

 

Stoßwellentherapie

Die extrakorporale (= außerhalb des Körpers befindliche) Stoßwellentherapie benutzt
hochenergetische Druckwellen zur Behandlung von Krankheiten. Seit Anfang der 80er
Jahre werden Stoßwellen erfolgreich für die Zertrümmerung von Nierensteinen angewandt.
Später wurden dann auch orthopädische Erkrankung, wie der Fersensporn oder aber auch
der Tennisarm mit Stoßwellen behandelt. Für einen Golferarm gibt so gut wie keine Studien zum Thema Stoßwellentherape. Lediglich zwei Studien konnte ich ausfindig machen. 16 Die Studien widersprechen sich gegenseitig und sind qualitativ unzureichend. Die Stoßwellentherapie für den Tennisarm ist besser untersucht. Jedoch sind die Ergebnisse ernüchternd. Eine Stoßwellentherapie ist nicht besser als ein Placebo. 17

Aufgrund  der Schmerzhaftigkeit der Behandlung, den hohen Kosten (ca. 60-380 Euro pro Behandlung) und zweideutigen Studienergebnissen würde ich von einer Behandlung mit Stoßwellentherapie absehen.

 

Kortisoninjektionen

Kortison (fachsprachlich: Glucocorticoide) sind Steroidhormone aus der Nebennierenrinde.
Die für die Medizin interessante Wirkung des Kortisons beim Golferarm sind die
entzündungshemmende und schmerzstillende Wirkung. Jedoch ist fraglich, inwieweit
Kortison entzündungshemmend bei einem Golferarm wirken kann, wenn es sich dabei
nicht um eine entzündliche Erkrankung handelt (siehe oben).

Ich konnte nur eine Studie identifizieren die, die Wirkung von Kortison bei einem Golferarm untersucht hat. 18 Diese relativ gut gemachte Studie ergab keine Hinweise darauf, dass Kortison eine Wirkung bei einem Golfarm hat. Des Weiteren ist die Studienlage zum Thema Kortison und Tennisarm auch negativ.

Kortisoninjektionen sind nicht zu empfehlen.

 

Schmerzmittel/Entzündungshemmende Medikamente

Der Einsatz von Schmerzmitteln/Entzündungshemmern 19 ist bei einem Golfarm nicht untersucht. Bei der Anwendung von Schmerzmitteln bei einem Tennisarm zeigt eine Übersichtsarbeit der Cochrane Stiftung 20, dass es keine eindeutigen Ergebnisse bzgl. der Wirksamkeit von Schmerzmitteln bei einem Tennisarm gibt. Somit lässt sich auch keine Aussage bzgl. der Wirksamkeit bei einem Golferarm treffen.  Aufgrund der diversen Nebenwirkungen bei der oralen Gabe von Schmerzmittel:

  • Gastrointestinale Blutungen,
  • Nierenversagen, 21
  • Herzinfarkt und Schlaganfall 22.

sowie der ungeklärten Wirksamkeit kann ich keine Empfehlung für die Einnahme von Schmerzmitteln aussprechen.

 

Blutegeltherapie

Bei einer Blutegeltherapie werden Blutegel auf die schmerzende Stelle am Ellenbogen (medialer Epikondylus) aufgebracht. Die Blutegel beißen sich an der Stelle fest und saugen solange Blut bis sie irgendwann abfallen. Durch die gerinnungshemmenden Substanzen im Speichel der Egel kommt es zu Nachblutungen, die jedoch nicht lange anhalten. Die Wirksamkeit der Blutegeltherapie soll dabei durch mehrere Faktoren, wie den Bissreiz, dem Gerinnungshemmer im Speichel und dem austretendem Blut enstehen. Die Anwendung beim Golferarm wird in der Praxis angewandt, jedoch gibt es keine Studien die eine Wirksamkeit untersucht haben. Die Anwendung bei einem Tennisarm wurde in einer Studie untersucht 23. Die Resultate der Studie sind positiv. Jedoch hat auch diese Studie diverse Mängel. 24 Aufgrund der uneindeutigen Beweislage und der nicht geklärten Nebenwirkung einer Blutegeltherapie 25 empfehle ich eine keine Blutegeltherapie.

 

Kinesio Tape

Die Anwendung von Kinesio Tape bei einem Golferellenbogen wurde bis jetzt nicht in klinischen Anwendungsstudien untersucht. Ich konnte lediglich zwei experimentelle Studien 26 finden, die im Labor die Auswirkung des Kinesio Tapes auf Maximalkraft und Kraftdosierung untersuchen. Dabei wurde jedoch kein Unterschied zwischen einem Kinesio Tape und einem Placebo Tape festgestellt. Das ist nicht überraschend: in meinem Artikel zum Thema Kinesio Tape in dem ich neun Übersichtsarbeiten analysiere komme ich zu folgendem Fazit: “Eine Behandlung mit Kinesio Tape ist unwirksam und nicht zu empfehlen.”

 

Die Anwendung des Kinesio Tapes bei einem Golferarm ist ein reiner Placeboeffect und nicht zu empfehlen.

 

T.E.N.S (transkutane elektrische Nervenstimulation)

Bei der T.E.N.S. werden Elektroden auf den schmerzenden Bereich am Ellenbogen aufgebracht. Dabei wird mit Reizstrom gearbeitet. Durch diesen wird versucht die zum Gehirn hinleitenden Nervenbahnen so zu beeinflussen, dass die Schmerzweiterleitung im Gehirn verändert bzw. ausgeschaltet wird. T.E.N.S wird zur Schmerzreduktion und Muskelstimulation eingesetzt.

Eine T.E.N.S. Behandlung ist bei einem Golfarm bis jetzt nicht untersucht worden. Die Anwendung bei einem Tennisarm wurde in mehreren Studien untersucht. Eine Übersichtsarbeit 27, sowie eine neuere Studie 28 kommen zu dem Schluss, dass eine Anwendung von T.E.N.S. keinen zusätzlichen Nutzen bringt. Daraus kann man ableiten, dass eine T.E.N.S. Behandlung bei einem Golferellenbogen wahrscheinlich auch keinen Effekt hat.

Eine T.E.N.S. Behandlung für einen Golferarm ist nicht zu empfehlen.

 

Akupunktur

Akupunktur ist eine kontrovers diskutierte Behandlungsmethode. Viele halten sie für eine gute Methode, um Schmerzen zu lindern. Wie auch bei den meisten anderen Therapiemethoden, so ist auch Akupunktur nur für einen Tennisarm untersucht, nicht aber für einen Golferarm. In zwei Übersichtsarbeiten 29 wurde die Wirkung einer Akupunkturbehandlung auf einen Tennisarm untersucht. Tang et al. ist dabei kritischer als Bisset et al. in der Bewertung der Wirkung von Akupunktur bei einem Tennisarm. Jedoch weisen beide Übersichtsarbeiten daraufhin, dass keine eindeutigen Aussagen bzgl. der Wirksamkeit von Akupunktur auf einen Tennisarm gemacht werden können. Akupunktur ist daneben noch kostenintensiv und mögliche Nebenwirkungen sind nicht ausgeschlossen.

Daraus folgt das eine Akupunkturbehandlung für einen Golferarm nicht zu empfehlen ist.

 

 

Operationen

Operationen zur Behandlung eines Golferarm werden in der Regel bei langanhaltenden Beschwerden empfohlen. Dabei gibt es diverse Studien die positive Ergebnisse einer Operation für einen Golferarm hervorheben. Jedoch gibt es keine Studie, die sich einem Vergleich mit einer Placebo-Operation stellt.

Interessanterweise gibt es eine Studie zum Thema Tennisarm und Operation bei der eine Scheinoperation mit einer richtigen Operation verglichen wurde. Die Ergebnisse waren genau gleich. Das bedeutet, dass eine Operation keine Wirkung (bis auf den Placebo Effekt) hat! 30 Auch in anderen Bereichen in denen Placebo Operationen durchgeführt werden, geraten einige Operationsverfahren unter Druck, zum Beispiel Knie Ops, Rückenschmerzen und Wirbelkörperplastiken. 31

Aufgrund der nicht vorhanden Beweislage für die Effektivität einer Operation und der nicht unerheblichen Risiken rate ich von einer Operation des Golferarms ab.

 

Zusammenfassende Empfehlung

  1. Führen Sie den DASH durch, um einen Ausgangspunkt für die Bewertung Ihrer Therapieversuche zu haben. So können Sie schneller Erfolge erkennen und sind motivierter die Therapie fortzusetzen.
  2. Eine Modifikation der individuellen Risikofaktoren/Belastungen des Sehnenapparats ist eine wichtige Vorraussetzung der erfolgreichen Therapie eines Golferarms. Manchmal reicht dies schon aus, um einen Golferarm erfolgreich zu behandeln.
  3. Krafttraining ist die effektiviste Art der Rehabilitation eines Golferarms.
  4. Stretching Übungen dienen als unterstützende Therapie bei einem Golferarm.
  5. Die hier aufgeführten, häufig angewendeten passiven Therapien sind nach heutigem Wissensstand nicht zu empfehlen.

Updates

(2. Januar 2016) – Umschreiben einiger Abschnitte zur besseren Lesbarkeit, zwei neue Unterpunkte wurden hinzugefügt (1.4.5 und 1.4.6)

(3.Januar 2016) – Unterpunkte (1.4.7 + 1.4.8 + 1.4.9 + 1.5) hinzugefügt.

 

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Notes:

  1. An der gemeinsamen Beugersehne setzen die Handgelenksbeuger und der Pronator Teres an.
  2. Ollivierre, Carl O., Robert P. Nirschl, and Frank A. Pettrone. “Resection and repair for medial tennis elbow a prospective analysis.” The American journal of sports medicine 23.2 (1995): 214-221.
  3. Die Endung „-ose“ steht in der Medizin für eine nicht-entzündliche, degenerative Erkrankung.
  4. Nur im Anfangsstadium weisen Sehnenerkrankungen akute entzündliche Prozesse auf. Siehe dazu: Millar, Neal L., et al. “Inflammation is present in early human tendinopathy.” The American journal of sports medicine 38.10 (2010): 2085-2091.
  5. Andres, Brett M., and George AC Murrell. “Treatment of tendinopathy: what works, what does not, and what is on the horizon.” Clinical orthopaedics and related research 466.7 (2008): 1539-1554.
  6. Shiri, Rahman, and Eira Viikari-Juntura. “Lateral and medial epicondylitis: role of occupational factors.” Best practice & research Clinical rheumatology 25.1 (2011): 43-57.
  7. Vinod, Amrit V., and Glen Ross. “An effective approach to diagnosis and surgical repair of refractory medial epicondylitis.” Journal of Shoulder and Elbow Surgery 24.8 (2015): 1172-1177.
  8. Brady C, Dutta A (2016) Medial Epicondylitis and Medial Elbow Pain Syndrome:
    Current Treatment Strategies. J Musculoskelet Disord Treat 2:014.
  9. Brady C, Dutta A (2016) Medial Epicondylitis and Medial Elbow Pain Syndrome:
    Current Treatment Strategies. J Musculoskelet Disord Treat 2:014.
  10. Walker-Bone, Karen, et al. “Occupation and epicondylitis: a population-based study.” Rheumatology 51.2 (2012): 305-310.
  11. Shiri, Rahman, and Eira Viikari-Juntura. “Lateral and medial epicondylitis: role of occupational factors.” Best practice & research Clinical rheumatology 25.1 (2011): 43-57.
  12. Tyler, Timothy F., et al. “Clinical outcomes of the addition of eccentrics for rehabilitation of previously failed treatments of golfers elbow.” International journal of sports physical therapy 9.3 (2014): 365.
  13. Das Fehlen einer Kontrollgruppe, mangelnde Verblindung, kleine Gruppengröße etc., machen die Ergebnisse der Studie nur schwer interpretierbar.
  14. Die Handgelenksflexoren und der Pronator Teres
  15. Tyler, Timothy F., et al. “Clinical outcomes of the addition of eccentrics for rehabilitation of previously failed treatments of golfers elbow.” International journal of sports physical therapy 9.3 (2014): 365, Brady C, Dutta A (2016) Medial Epicondylitis and Medial Elbow Pain Syndrome: Current Treatment Strategies. J Musculoskelet Disord Treat 2:014, Taylor, Samuel A., and Jo A. Hannafin. “Evaluation and management of elbow tendinopathy.” Sports Health: A Multidisciplinary Approach 4.5 (2012): 384-393, Shiri, Rahman, and Eira Viikari-Juntura. “Lateral and medial epicondylitis: role of occupational factors.” Best practice & research Clinical rheumatology 25.1 (2011): 43-57.
  16. Krischek, O., et al. “[Extracorporeal shockwave therapy in epicondylitis humeri ulnaris or radialis–a prospective, controlled, comparative study].” Zeitschrift fur Orthopadie und ihre Grenzgebiete 136.1 (1997): 3-7, Lee, Sang Seok, et al. “Effectiveness of initial extracorporeal shock wave therapy on the newly diagnosed lateral or medial epicondylitis.” Annals of rehabilitation medicine 36.5 (2012): 681-687.
  17. Dingemanse, Rudi, et al. “Evidence for the effectiveness of electrophysical modalities for treatment of medial and lateral epicondylitis: a systematic review.” British journal of sports medicine 48.12 (2014): 957-965.
  18. Stahl, Shalom, and Teddy Kaufman. “The efficacy of an injection of steroids for medial epicondylitis. A prospective study of sixty elbows.” J Bone Joint Surg Am 79.11 (1997): 1648-52.
  19. NSAR = nichtsteroidalen Antirheumatika
  20. Pattanittum, Porjai, et al. “Non‐steroidal anti‐inflammatory drugs (NSAIDs) for treating lateral elbow pain in adults.” The Cochrane Library (2013).
  21. Pirmohamed, Munir, et al. “Adverse drug reactions as cause of admission to hospital: prospective analysis of 18 820 patients.” Bmj 329.7456 (2004): 15-19.
  22. Trelle, Sven, et al. “Cardiovascular safety of non-steroidal anti-inflammatory drugs: network meta-analysis.” Bmj 342 (2011): c7086, Olsen, Anne-Marie Schjerning, et al. “Duration of treatment with nonsteroidal anti-inflammatory drugs and impact on risk of death and recurrent myocardial infarction in patients with prior myocardial infarction a nationwide cohort study.” Circulation 123.20 (2011): 2226-2235, Bhala, N., et al. “Vascular and upper gastrointestinal effects of non-steroidal anti-inflammatory drugs: meta-analyses of individual participant data from randomised trials.” Lancet (London, England) 382.9894 (2013): 769-779.
  23. Bäcker, Marcus, et al. “Effectiveness of leech therapy in chronic lateral epicondylitis: a randomized controlled trial.” The Clinical journal of pain 27.5 (2011): 442-447.
  24. Der wichtigste Mangel ist, dass keine keine Placebobehandlung durchgeführt wurde, was durchaus möglich ist. Blutegel haben nämlich offensichtlicher weise eine hohe Placebowirkung!
  25. http://edzardernst.com/2013/04/born-to-suck/
  26. Chang, Hsiao-Yun, et al. “Could forearm Kinesio Taping improve strength, force sense, and pain in baseball pitchers with medial epicondylitis?.” Clinical Journal of Sport Medicine 22.4 (2012): 327-333, Chang, H-Y., et al. “The effectiveness of kinesio taping for athletes with medial elbow epicondylar tendinopathy.” International journal of sports medicine 34.11 (2013): 1003-1006.
  27. Dingemanse, Rudi, et al. “Evidence for the effectiveness of electrophysical modalities for treatment of medial and lateral epicondylitis: a systematic review.” British journal of sports medicine 48.12 (2014): 957-965.
  28. Chesterton, Linda S., et al. “Transcutaneous electrical nerve stimulation as adjunct to primary care management for tennis elbow: pragmatic randomised controlled trial (TATE trial).” (2013): f5160.
  29. Bisset, Leanne M., and Bill Vicenzino. “Physiotherapy management of lateral epicondylalgia.” Journal of physiotherapy 61.4 (2015): 174-181,Tang, Hongzhi, et al. “Acupuncture for Lateral Epicondylitis: A Systematic Review.” Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine 2015 (2015).
  30. Kroslak, Martin. Surgical treatment of lateral epicondylitis. Diss. University of New South Wales, 2012.
  31. Louw, Adriaan, et al. “Sham Surgery in Orthopedics: A Systematic Review of the Literature.” Pain Medicine (2016): pnw164.
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